Warum hört sich meine aufgenommene Stimme komisch an?

Kennst du diese Situation? Du hast dein erstes Video aufgenommen, möchtest es dir am Computer ansehen und bemerkst, dass sich deine Stimme ganz komisch anhört?

Was ist passiert?

Hat dein Mikrofon nicht korrekt aufgenommen?

Nein, das ist deine Außen-Stimme, die dir ungewohnt vorkommt. Lass dich von dieser nicht aus der Ruhe bringen. Die Lösung ist dafür nämlich ganz natürlich.

Die Lösung: Darum hört sich die Stimme für einen selbst komisch an

Wir sind es einfach nicht gewohnt, uns selbst zu hören. Darum klingt unsere eigene Stimme auf einem Tonband oder im Video immer anders. Wenn wir sprechen, wird das Gesagte anders ins Gehirn übertragen, als wenn wir uns ein Video ansehen.

Medizinisch ist der Klang durch die innere und äußere Stimme wie folgt zu erklären:

Außen-Stimme vs. Innere Stimme

Bei der inneren und äußeren Stimme handelt es sich um zwei unterschiedliche Wege der Akustik-Übertragung im Körper. Der äußere Schall wird über die Stimmbänder erzeugt und nach außen befördert.

Schauen wir uns ein Video an, so hören wir in diesem die Außen-Stimme.

Anders ist es bei der inneren Stimme. Diese entsteht dadurch, dass die Schwingungen der Stimmbänder vom Jochbein, dem Unterkiefer und den Schläfen direkt ans Innenohr übertragen werden. Die Muskeln und das Gewebe dämpfen bei dieser Weiterleitung den Klang, so dass sich unsere Stimme im Kopf dumpfer und dunkler anhört.  

Nehmen wir also gerade das Video auf und sprechen, so hört sich die Stimme für uns selbst anders an.

Wie du dich an deine Stimme gewöhnst

Du weißt jetzt, dass sich deine Stimme auf natürliche Weise anders anhört als du es gewohnt bist. Der einfachste und beste Weg, wie du dich daran gewöhnst ist, öfters Aufnahmen von dir selbst anzuhören.

Setze dir dazu eine Challenge. Nimm für drei Wochen lang jeden Tag ein Video auf, in dem du über dein Tageshighlight erzählst.

Du musst dieses Video nicht veröffentlichen. Es geht allein darum, dass du dich anschließend selbst hörst. Wenn du willst kannst du die Videos natürlich auch doppelt nutzen und gegebenenfalls deine Präsentationstechnik verbessern.

Übung macht auch in diesem Fall den Meister und sorgt für Gewohnheit.

Eventuell hilft dir auch dieser Beitrag, dich zu motivieren und dich mit deiner Stimme anzufreunden: Warum in deinem Marketing kein Weg an Videos vorbeiführt

Trainiere deine Stimme mit diesen Stimmübungen

Deine Stimme hört sich zudem nochmals anders an, wenn du unter Stress stehst, müde oder nervös bist. Um dem entgegenzuwirken, gibt es einige Übungen, die deine Aussprache stärken.

Mache folgende Übungen regelmäßig und du wirst stimmlich besser auch mit aufreibenden Situationen umgehen können.

Stimmübung 1: Stärke deine Zungenmuskulatur

Mit einer gestärkten Zunge kannst du dich besser artikulieren. Um deine Zunge zu stärken hilft es zu schnalzen. Beim Schnalzen lässt du deine Zunge vom Gaumen herunter schnellen. Das erzeugt ein “Klack” und kräftigt die Zunge. Wiederhole diese Übung regelmäßig.

Stimmübung 2: Lockere deinen Kiefer

Ein lockerer Kiefer sorgt dafür, dass du schnell und flexibel Konsonanten bilden kannst. Deine Aussprache wird auf diese Weise besser und verständlicher. Um deinen Kiefer schön zu lockern gehst du wie folgt vor.

Du öffnest deinen Mund ganz weit und streichst dann mit deiner Zunge einmal im Kreis herum über die Lippen. Anschließend schneidest du zwei bis drei Grimassen, so dass dein Gesicht unterschiedliche Spannungen durchfährt. Danach ist dein Gesicht und dein Kiefer gelockert.

Stimmübung 3: Lass deinen Resonanzraum wachsen

Mit Summen kannst du deinen Resonanzraum vergrößern. Die Übung dazu ist recht simpel. Du summst beispielsweise eine Melodie. Im ersten Durchgang auf “mmm” im zweiten auf “nnn”. Öffne dabei deinen Mund, als ob du einen Tennisball in ihm hättest. Spürst du die Vibration?

Stimmübung 4: Aktiviere deinen Stimm-Umfang

Lass’ einen Ton durch alle Oktaven wandern, wie eine Sirene: Von ganz hoch bis ganz tief, wieder hoch und wieder runter. Das hilft dir auch dabei, dich auf deinen normalen Grundton “einzupegeln”.

Stimmübung 5: Kläre deine Stimme

Um dir den kraftvollen Einsatz deiner Stimme leichter zu machen, wende eine einfache Vokalübung an. Als ich noch Radiomoderator war, gehörte sie zum Pflichtprogramm, bevor ich früh morgens in die Sendung ging.

Zunächst atmest du tief ein. Beim Ausatmen intonierst du zuerst ein kräftiges, tiefes “aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa”. Nach wenigen Sekunden wechselst du (ohne Unterbrechung) auf “eeeeeeeeeeeeeeee”, dann “iiiiiiiiiii” und weiter noch mit “o” und “u”. (Der Wikipedia-Artikel dazu empfiehlt allerdings die Reihenfolge “i-e-a-o-u”. Probier’ gerne beides.)

Versuche, alle Vokale in ein einziges, langes Ausatmen zu integrieren. Das wird nicht immer klappen, aber nutze in jedem Fall deinen vollen Atem, bis du keine weitere Luft mehr zum Ausatmen hast. Du wirst du merken, ab welchem Punkt der jeweilige Vokal ausreichend klar klingt.

Fazit: Ganz normal, dass dir deine Stimme komisch, seltsam oder schrecklich vorkommt

Du hast gesehen, es ist absolut natürlich, dass deine Stimme anders klingt, als du es gewohnt bist. Und Sachen, die ungewohnt wirken, müssen einem nicht immer gefallen.

Es sollte dich demnach nicht abhalten, Videos von dir zu drehen und dir selbst dabei zu zuhören. Kommt es dir sehr merkwürdig vor, frag einfach einmal deine Freunde oder Kollegen, wie sich deine Stimme für sie anhört.

Sie werden ganz sicher keinen großen Unterschied zwischen Aufnahme und sonstigem Sprechen bemerken. Und fast immer werden Sie dir auch noch bestätigen, dass deine Stimme so, wie sie sie hören, völlig in Ordnung ist. Sie kennen sie gar nicht anders.

“Ich mag meine Stimme nicht” sollte also keine Ausrede sein. Es gibt zahlreiche Übungen, mit denen du deine Stimme stärken und optimieren kannst. Und für alle anderen klingt sie nun mal einfach anders als beim Sprechen für dich selbst.

Schreib mir gerne mal in die Kommentare, ob du bereits Stimmübungen machst und wenn ja, mit welchen Stimmübungen?

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Steffen Grützki

Mein Spezialgebiet ist es, dich zu einem authentischen und rhetorisch überzeugenden Auftritt zu führen. Denn ich zeige Menschen leidenschaftlich gerne, dass viel mehr in ihnen steckt, als sie sich zutrauen. Manchmal reicht dafür eine kleine Frage als Anstoß zur Selbsterkenntnis. Manchmal ist punktuelles Feedback hilfreich. Und manchmal ebnet die intensive Begleitung bei einem Vorhaben den Weg zum "Wow"-Effekt.

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